„Hallo Hometown ♡ Ich bin wieder da“ [Bosse]

18 Jahre hab ich hier (ganz in der Nähe) gelebt, 11 Jahre war ich weg. Nun lerne ich meine Heimatstadt Eisenach gerade ein zweites Mal kennen.

Einen halben Monat leben der Freund schon hier und nach all dem Umzugswahnsinn der letzten Wochen – mit Renovierungen, Einkaufen, Putzen und Co. – fangen wir nun langsam an, unsere neue (alte) Heimat zu erkunden.

Es ist ein ungewohntes Gefühl, aber auch ein sehr schönes. Während damals in Magdeburg einfach alles neu war und ich in Erfurt immerhin ein paar Ecken schon kannte, empfängt mich Eisenach wie eine gute, alte Freundin – die ich zwar in den letzten Jahren sträflich vernachlässigt, aber nie vollständig vergessen habe.

Wir nähern uns wieder an. Erinnern uns an die „guten, alten Zeiten“ meiner Jugend auf dem Land mit regelmäßigen Ausflügen in die Kleinstadt. Stellen fest, dass wir einander vermisst haben. Und entdecken doch auch völlig neue, unbekannte Seiten aneinander. Es ist ein bisschen so, als würde man nach vielen Jahren einen Verflossenen wiedertreffen und feststellen: So manche Dinge im Leben werden sich einfach nie ändern; andere schon.

Die bekannte Unbekannte

Eisenach hat sich verändert und ist doch immer noch so wie damals, als ich weg ging: Die Touristen sind im Durchschnitt 60 und tragen gern Steppjacken (bevorzugt in Beige). Ab 21 Uhr sind die Straßen wie leer gefegt. Der Geruch von etwas zu fettiger Bratwurst wabbert bedächtig durch die Karlsstraße, Eisenachs „pulsierende Shoppingmeile“ und lockt Einheimische wie Gäste gleichermaßen an.

Inzwischen gibt es hier aber auch veganes Eis und Buddha Bowls, einen dm auf zwei Etagen und handgefertigte Wohnaccessoires mit „Loftcharakter“.

Ich bemerke diese Veränderungen und freue mich darüber. Denn sie zeigen mir: Ich bin zwar zurück in die absolute Provinz gezogen, doch auch hier besteht (noch) Hoffnung. Auch hier kann man, kann ich ein gutes Leben führen (auch wenn es längst keine System of a Down-Partys mehr im „Gleis 1“ gibt – schade!).

Einmal Kleinstadt, immer Kleinstadt

Eisenach, das bleibt natürlich für immer eine verschlafene Kleinstadt im Osten Deutschlands. Da können auch noch so viele Buddha Bowls nichts dran ändern. Aber auch eine Kleinstadt, die sich Mühe gibt. Die mithalten möchte, aufholen möchte, abliefern möchte. Manchmal etwas zu sehr bemüht, aber ganz oft auch einfach extrem charmant.

Und so kommt es, dass der Freund und ich dieser Tage immer wieder überrascht sind. Überrascht von dieser kleinen Stadt, für die wir unser geliebtes Erfurt aus privaten Gründen hinter uns gelassen haben.

Wir sind angekommen und wir fühlen uns wohl. Lassen uns treiben und freuen uns über jede Neuentdeckung. Ich bin mir ziemlich sicher, dass uns Eisenach in den kommenden Wochen noch so manches Mal überraschen wird.

Ich bin schon sehr gespannt.

 

Kommentare

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