Wie funktioniert eigentlich ♡ Haare spenden?

Vor ein paar Tagen habe ich 28 cm meiner Haare abschneiden lassen, damit daraus eine Perücke für einen anderen Menschen geknüpft werden kann.

Ich habe keine Sekunde lang gezögert, habe meinen Haaren nicht einen Moment lang nachgetrauert. Stattdessen machten sich Freude und Stolz in mir breit, als ich meine neue, deutlich kürzere Frisur im Spiegel betrachtete.

Es gibt viele Wege, um anderen Menschen Gutes zu tun. Seine Haare zu spenden ist einer davon. 

Falls auch du dich dafür interessierst, deine Haare einem anderen Menschen zur Verfügung zu stellen, dann ist dieser Beitrag die passende Lektüre für dich. 

Häufig gestellte Fragen zum Thema Haare spenden

Wenn ich anderen Leuten davon erzählt habe, dass ich meine Haare spenden möchte, dann hat das meist viel Zustimmung, aber auch viele Fragen aufgeworfen.

Die, die am häufigsten gestellt wurden, möchte ich gern nachfolgend beantworten.

1. Wie kann man Haare spenden?

Seine Haare zu spenden ist so viel leichter als gedacht. Auf das Wesentliche herunter gebrochen, funktioniert es folgendermaßen:

Du gehst zum Friseur, lässt deine Haare zu einem Zopf (oder mehreren Zöpfen) binden und etwa zwei Zentimeter über dem Haargummi abschneiden, flechtest sie und versendest sie an eine Organisation beziehungsweise einen Perückenmacher.

Wichtig ist, dass du dir im Vorfeld überlegst, wohin genau deine Spende gehen soll. Die Möglichkeiten diesbezüglich sind nämlich extrem vielfältig. Mehr dazu in der Antwort zu Frage 7.

2. Gibt es spezielle Friseure für eine Haarspende?

Du kannst grundsätzlich zu jedem Friseur gehen, wenn du deine Haar abschneiden lassen und spenden möchtest.

Wichtig ist, dass du dein Vorhaben im Vorfeld ansprichst, damit der Friseur/die Friseurin bescheid weiß und keine Fehler passieren.

Wenn du Glück hast, hat der Coiffeur deines Vertrauens bereits Erfahrungen mit dem perfekten „Spende-Haarschnitt“ und kann dir erklären, wie ihr das Maximale aus deiner Wallemähne herausholt.

Außerdem gibt es immer wieder Salons, die von der Spendenbereitschaft ihrer Kunden so begeistert sind, dass sie die Haare kostenlos abschneiden.

Mein Tipp: Auf den Seiten mancher Haarspende-Organisationen habe ich Listen mit „Partner-Friseuren“ gefunden, die die Haare umsonst schneiden. Falls dein Stamm-Salon nicht dabei ist, kannst du auch einfach mal nachfragen, ob die Möglichkeit eines kostenlosen Haarschnittes bestünde (falls dies für dich einen Unterschied macht und eine wichtige Voraussetzung für den Schritt zum (Kurzhaar-)Schnitt ist).

Der Moment der Wahrheit: Jessi von CutCellar in Eisenach (Werbung ohne Auftrag) schneidet mir die Haare ab.

3. Ab welcher Länge kann man Haare spenden?

Damit aus deinen Haaren eine Perücke gemacht werden kann, müssen sie eine gewisse Grundlänge aufweisen.

Bei meinen Recherchen bin ich immer wieder über den Wert 25 cm als Minimum (!) gestoßen.

Nach oben gibt es natürlich keine Grenzen. Hier gilt: Je länger, desto besser – beziehungsweise desto wertvoller sind deine Haare. Man muss schließlich bedenken, dass aus 25 cm Haar nicht automatisch eine 25 cm-lange Perücke wird.

Soll das Ergebnis einer wallenden Langhaarmähne entsprechen, sind 40 cm Echthaar und mehr nötig.

Weil diese Längen sehr begehrt sind, kannst du ab 30 cm Haar sogar Geld (vom Perückenmacher) bekommen. Was du damit machst, steht dir natürlich frei. Immer wieder habe ich aber gelesen, dass der Betrag an Organisationen wie die Deutsche Krebshilfe gespendet wird. Diese Idee finde ich sehr schön.

4. Warum ist es so wichtig, seine Haare zu spenden?

Haar ist nicht gleich Haar. Genetische Unterschiede sorgen dafür, dass Menschen überall auf der Welt nicht nur unterschiedliche Haarfarben, sondern auch verschiedene Haarstrukturen haben.

Das wiederum bedeutet: Braucht ein Europäer – zum Beispiel aufgrund einer Erkrankung – eine Echthaar-Perücke, dann sollte diese bestenfalls aus europäischem Haar geknüpft werden. Denn nur dann kann garantiert werden, dass das Resultat möglichst natürlich und unauffällig aussieht.

5. Sollen die Haare vor der Spende frisch gewaschen sein?

Ja, die Haare müssen sauber und (ganz wichtig!) trocken sein, wenn du sie an eine Haarspende-Organisation schickst.

Wasch sie unbedingt VOR deinem Friseurbesuch. Wenn die Haare nass abgeschnitten und zum Zopf geflochten werden, können sie nicht mehr vollständig trocknen und schimmeln nach kurzer Zeit. Wenn das der Fall ist, ist deine Haarspende leider unbrauchbar.

6. Darf man die Haare vor der Spende glätten?

Wer gewelltes oder gelocktes Haar hat, will diese vor der Spende vielleicht glätten, um noch etwas mehr Länge „herauszuholen“.

Bedenke hierbei aber: Jede „Bearbeitung“ beansprucht und schädigt die Haare. Wenn du deine also häufig beziehungsweise regelmäßig geglättet hast, kann es sein, dass sie zu kaputt für eine Spende sind.

Weiterhin solltest du daran denken, dass du durch das Glätten das natürliche Aussehen deiner Haare veränderst. Das erschwert es den Perückenmachern später, deine Haare vernünftig zu verarbeiten.

Daher gilt: Glätte die Haare nicht, sondern lass sie in ihrem natürlichen Zustand abschneiden

Und: Berechne die Länger deiner Haare immer, wenn sie gelockt/gewellt sind. Also nicht glätten und dann freuen, dass es noch fünf Zentimeter „mehr“ sind.

7. Wo kann man die Haare spenden?

Welcher Organisation kann ich vertrauen?

Im Zuge meiner Recherchen bin ich über einen Artikel gestoßen, der diese Fragen umfassend und gut beantwortet. Ich fände es sinnlos, die Informationen einfach abzuschreiben und hier wiederzugeben. Darum folgt hier ein ausdrücklicher Klick-Tipp

Haare spenden: Mamas Zopf für krebskranke Kinder

8. Wohin kann man Haare für krebskranke Kinder schicken?

Bloggerin Sophie schreibt in ihrem oben verlinkten Artikel, dass sie ihre Haare an den Verein Haarfee gespendet hat. Dieser hat sich darauf spezialisiert, die Haare ausschließlich für Kinderperücken zu sammeln und zu verarbeiten.

Ich finde es ganz großartig, mit seiner Spende explizit Kindern zu helfen. Trotzdem habe ich mich dagegen entschieden – denn letztlich hat doch jeder betroffene Mensch (egal wie alt) eine Echthaar-Perücke verdient.

9. Nimmt man die Haare dann vom Friseur wieder mit?

Ja, genau. In der Regel kümmerst du dich selbst um den Versand deiner Haare an eine entsprechende Organisation.

Es gibt allerdings auch ein paar Friseure, die das für dich übernehmen. Frag‘ am besten einfach nach, falls das für dich eine Option ist und du die Haare nicht selbst verschicken möchtest.

Ich rate jedoch, die Haare selbst in den Briefkasten zu werfen. Für mich war das ein besonderer Moment, an den ich mich sicherlich noch eine ganze Weile erinnern werde.

10. Wie werden die Haare versendet?

Wenn du dich von deinen Haaren getrennt hast, solltest du sie unbedingt als geflochtenen Zopf – mit zwei Haargummis fixiert – versenden. Dadurch wird vermieden, dass die Haare durcheinander geraten und schlimmstenfalls nicht mehr verwendet werden können.

Um sie zusätzlich zu schützen, kannst du sie in eine Plastiktüte (oder etwas vergleichbares) wickeln, ehe du sie in eine klassische Versandtasche steckst.

Ich habe meine Haare als Großbrief – also mit einer 1,55 €-Briefmarke – verschickt.

Sauber, trocken, ordentlich geflochten und mir zwei Haargummis fixiert - so wird eine Haarspende idealerweise verschickt

11. Ist Haare spenden auch mit gefärbten Haaren möglich?

Grundsätzlich kannst du deine Haare auch spenden, wenn sie gefärbt sind. Coloriertes Haar hat jedoch weniger Wert als naturbelassenes und ist deswegen bei Perückenmachern nicht so gefragt.

Es gibt Organisationen, die gefärbtes oder gebleichtes Haar deswegen nicht annehmen. Trotzdem lohnt es sich, sich zu informieren. Du findest garantiert einen Verein, der deine Spende gern annimmt.

Wichtig ist vor allen Dingen, dass die Haare gesund sind. Nur dann eignen sie sich auch für die Herstellung einer Echthaar-Perücke. 

Wenn deine Haare also zwar ihre natürliche Farbe, dafür aber z.B. starken Spliss haben, ist das ähnlich unvorteilhaft wie eine Coloration.

Grundsätzlich gilt: Je häufiger deine Haare gefärbt/gebleicht wurden, desto weniger eignen sie sich für eine Spende. Ein anderes „Ausschluss-Kriterium“ sind unnatürliche Farben.

12. Kann man auch mit Henna gefärbte Haare spenden?

Auf diehaarspender.at habe ich gelesen, dass mit Henna gefärbte Haare durchaus gespendet werden können. Eine Ausnahme bildet nach Aussagen der Seite die Farbe Schwarz.

13. Ist Haare spenden auch mit grauen Haaren möglich?

Selbst wenn deine Haare komplett grau sind, kannst du sie spenden.

Wie in der vorherigen Antwort bereits erwähnt: Es kommt weiger auf die Farbe der Haare an, sondern eher auf ihren „Gesundheitszustand“.

14. Gibt es natürliche Haarfarben, die besonders gebraucht werden?

Hierzu konnte ich keine konkrete Antwort finden.

Was ich jedoch in Erfahrung bringen konnte: Für eine einzige Perücke werden (je nach Haarstruktur) fünf bis acht Haarspenden benötigt! Damit die unterschiedlichen Zöpfe ein stimmiges Gesamtbild ergeben, müssen sie natürlich die gleiche Farbe aufweisen.

Ich denke daher, dass absolut jede Farbe gefragt ist.

Oder anders herum: Deine Haarfarbe sollte der allerletzte Grund sein, der dich davon abhält, deine Mähne zu spenden!

15. Kann ich auch alte Zöpfe aus Kindheitstagen spenden?

Haare, die vor Jahren (oder gar Jahrzehnten) abgeschnitten wurden, verlieren nicht ihre Qualität und können heute genauso gut zu Perücken verarbeitet werden wie „frische“.

Wichtig ist lediglich, dass der Zopf aus Kindheitstagen nicht schmutzig (also beispielsweise verstaubt) und absolut trocken ist.

Ich kann mir vorstellen, dass eine Geruchsprobe hilfreich ist. Müffelt der Zopf, könnte das ein Anzeichen für Verschmutzung oder gar Schimmel sein.

Tu' was Gutes, spende Haare!

Puuuuh, das war ziemlich viel Input, oder? Und trotzdem habe ich das Gefühl, dass noch soooo viel mehr zum Thema Haare spenden gesagt oder geschrieben werden müsste.

Das Wichtigste kommt nun zum Schluss: Wenn du das Gefühl hast, dass Haare spenden eine gute Sache ist (Spoiler: Es IST eine gute Sache!), dann mach‘ es einfach. Lass deine Haare eventuell noch etwas länger werden und dann abschneiden.

Denk immer daran: Es sind nur Haare! Der Schnitt tut nicht weh und anders als anderen Menschen wachsen sie dir wieder nach.

Kommentare

  1. Julia

    Liebe Jessi,
    danke für deine umfangreiche Recherche und deine eigenen Erfahrungen zur Haarspende! So eine Möglichkeit hatte ich gar nicht auf dem Schirm und finde es sehr inspirierend, dass du dieses Erlebnis mit uns teilst.

    Ich glaube, meine Haar waren noch nie so lang, dass sie für eine Spende gereicht hätten. Aber in den nächsten Monaten werde ich mal messen, wie weit ich so komme.

    Liebe Grüße!
    Julia

    1. Autor
      des Beitrages
      Jessi

      Hey Julia,

      danke für dein Feedback!

      Ich höre/lese immer wieder, dass Leute gar nichts von dieser Option wussten. Umso wichtiger finde ich es, darüber zu informieren.

      Ich find’s toll, dass du nun auch über eine Haarspende nachdenkst. Sicherlich ist es ein ganz schöner „Akt“, die Haare möglichst lang wachsen zu lassen – ich musste irgendwann auch kapitulieren, der Post-Schwangerschafts-Haarausfall hat mich verrückt gemacht! – aber wenn man weiß, wofür man es tut, fällt es einem tatsächlich leichter.

      Liebste Grüße,
      Jessi

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